21.3. diante de, à frente de, em frente, antes de, ante

Das menschliche Gehirn hat eine sehr starke Neigung, Parallelen zu ziehen zwischen räumlichen Verhältnissen und anderen Beziehungen. Es ist zwar Kaffeesatz lesen für Fortgeschrittene, aber so mit dem gesunden Menschenverstand könnte man vermuten, dass räumliche Beziehungen die Mutter aller Beziehungen sind und räumliche Beziehungen auf andere Beziehungen übertragen wurden. Unsere von Baumwipfel zu Baumwipfel springenden Vorfahren hatten wohl klare Vorstellungen von räumlichen Beziehungen, die zeitlichen Beziehungen dürften sich auf Tag / Nacht beschränkt haben. Zeitliche Beziehungen erfordern eine Vorstellung über die Chronologie der Ereignisse in der Zukunft, der Gegenwart, Vergangenheit und werden nur gebraucht, wenn komplexe Prozesse in der Zukunft bzw. der Vergangenheit durchdacht werden müssen. Zeitliche Beziehungen erfordern also eine gewissen Fähigkeit zur Abstraktion, sind nicht unmittelbar sinnlich wahrnehmbar. Der Autor vermutet, dass unsere Vorfahren hierfür zu blöd waren. Als sie es dann konnten, haben sie räumliche Beziehungen auf andere Beziehungen übertragen. Denkbar ist natürlich auch, dass unsere Vorfahren schon komplexe Prozesse durchdenken konnten, bevor sie diese verbalisieren konnten, was aber grundsätzlich nichts ändert. Zuerst wurden räumliche Beziehungen verbalisiert.

Methaphorische Beziehung sind meist aus räumlichen Beziehung abgeleitet.

Das Buch liegt auf dem Tisch. <=> Auf seine Aussage, kann man sich nicht verlassen.
Die Hose liegt unter dem Tisch. <=> Unter seiner Herrschaft blühten die Künste.
Hinter dem Gartenzaun geht die Welt weiter. <=> Hinter dieser Aussage, steckt eine Theorie.
Er steht vor dem Tisch. <=> Er erstarrte vor Ehrfurcht.
Über dem Tisch hängt eine Lampe. <=> Über dieses Buch wurde viel diskutiert.


etc. Die meisten Präpositionen, die räumliche Verhältnisse beschreiben, können in allen Sprachen auch metaphorisch verwendet werden. Irgenwie stellt das Gehirn da Verbindungen her, auch wenn man schlecht erklären kann, wieso. Irgenwie besteht die Vorstellung, dass der Tisch dem Buch eine stabile Grundlage bietet und auf einer stabilen Grundlage basiert dann auch die Aussage. Das ist in allen Sprachen so. Metaphorische Beziehungen präsentieren sich im Gehirn räumlich.

Präpositionen, die rein zeitliche Beziehungen beschreiben, können höchst selten metaphorisch verwendet werden. Man könnte auch meinen, dass Präpositionen, die räumliche Verhältnisse beschreiben, auch zeitliche Verhältnisse beschreiben. Das ist aber nur in Ausnahmefällen so, z.B. mit vor.

Er kommt vor sieben Uhr. <=> Er steht vor der Tür.

Mit anderen Präpositionen die zeitliche Verhältnisse beschreiben wäre das zwar genau so hübsch, aber das geht nicht. Auch nicht auf Portugiesisch.

Nach sechs Uhr passiert nichts mehr. <=> [Er steht nach der Tür.]

Es geht nicht, obwohl es äußerst suggestiv ist. Für Deutsch Muttersprachler wäre immer klar, dass jemand der nach der Tür steht, hinter der Tür steht und nicht davor. Es heißt aber "hinter der Tür". Manchmal können Präpositionen, die zeitliche Verhältnisse beschreiben, auch metaphorisch verwendet werden, wobei dies dann in der Regel nicht besonders suggestiv ist.

Er kommt nach sechs Uhr. <=> Die Magellan Straße ist nach Fernão de Magalhães benannt.

Des weiteren kann Adverb, Präposition und Konjunktion das gleiche Wort sein, oder jeweils ein anderes.





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