22. Fragesätze

Fragesätze gibt es prinzipiell Stücker zwei. Es gibt ja / nein Fragesätze und welche, auf die der Befragte eine längere Antwort geben soll. Kurz und knackig kann die Antwort bei solchen Fragen ausfallen.

A: Liebst du mich?
B: Nein.


Als rational orientierter Mensch sollte man sich bei solchen Fragen nicht in Abgründe verlieren, sondern kurz und knackig eine Antwort geben. (Wir lernen hier, dass manche Definitionen, die wir in Grammatiken finden, mit der Alltagswirklichkeit wenig zu tun haben.)

Beginnt der Satz allerdings mit einem Interrogativpronomen bzw. mit einem Interrogativadverb, gebietet es die Höflichkeit, etwas ausführlicher zu antworten.

A: Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?
B: Schneewittchen war's, der scharfe Feger.


Die Frage des Zwerges kann mit einem schlichten ja / nein nicht beantworten werden. In diesem Fall wird nach einem Objekt gefragt, wer steht also für ein Objekt, Sache oder Person, und ist deshalb ein Interrogativpronomen. Wird nach den Umständen gefragt, haben wir ein Interrogativadverb und die Antwort ist ein Adverb oder eine adverbiale Bestimmung.

A: Wann kommst du?
B: So gegen sechs Uhr.


Weiter kann man noch unterscheiden zwischen pronominalen Interrogativa, also Interrogativpronomen, und adjektivischen Interrogativa. Bei pronominalen Interrogativa ist das Objekt gänzlich unbekannt.

A: Wer ist der Autor des Romans 'Dr. Faustus'?
B: Keine Ahnung, irgendein Typ, der die Tendenz hat, in alles irgendwas hineinzugeheimnissen.


Bei den adjektivischen Interrogativa wird nicht nach dem Objekt an sich gefragt, sondern nach Eigenschaften dieses Objektes, bzw. nach einem Element innerhalb einer Gruppe gleicher Elemente.

A: Welcher Fluss fließt durch Rom?
B: Der Tiber natürlich.


Dass das, was da durch Rom fließt ein Fluss ist, ist dem Fragenden bekannt. Er fragt nach dem konkreten Element der Gruppe Fluss. (Wahnsinn oder?! Wie man total einfache Dinge super kompliziert ausdrücken kann!)

Ist die Gruppe, auf die sich der Fragende bezieht bekannt, kann welche / welcher / welches auch alleine stehen.

A: Welches willst du kaufen?
B: Das da.


Adjektivische Interrogativa können aber auch nach Eigenschaften fragen.

A: Was für ein Mensch ist er?
B: Frag ihn doch. Seine Selbsteinschätzung wird aufschlussreich sein.


In diesem Fall wird nicht nach einem bestimmten Element gefragt, sondern nach Eigenschaften. Faul, fleißig, langweilig, engagiert etc. etc..

Was es sonst noch zu sagen gibt, kann man sich auch denken. Adjektive stimmen in Genus und Numerus mit dem Substantiv, auf das sie sich beziehen, überein. Folgerichtig müssen auch die adjektischen Interrogativa angepasst werden.

A: Welches gefällt dir.
B: Das Blaue.
A: Welche gefallen dir.
B: Die Roten.


Adverbien allerdings werden nicht flektiert und folglich gibt es auch bei den Interrogativadverbien nichts zu beugen.

A: Wo ist der Unfall passiert?
B: An der Kreuzung.


Ansonsten sind Fragesätze ausgesprochen einfache Gebilde. Im Deutschen ist das kompliziert, wir haben alle möglichen merkwürdige Phänomene, z.B. kommt es zu einer Subjekt Verb Inversion (Er schläft <=> Schläft er?) und anderer merkwürdiger Dinge dieser Art, die es im Portugiesischen alle nicht gibt. Mündlich unterscheidet sich im Portugiesischen ein Aussagesatz von einem Fragesatz nur durch die Betonung.

Offene Fragen werden durch Interrogativpronomen bzw. Interrogativadverbien eingeleitet. Die meisten Interroagativa kenn wir schon aus dem Kapitel über Relativpronomen.





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