2.Bemerkungen zu Portunhol / Portuñol und zum Sprachmix im Allgemeinen

Wenn Sie bereits Spanisch oder Italienisch sprechen.

Als Portunhol wird ein Mischmasch aus Portugiesisch und Spanisch bezeichnet. Das ist allerdings für hispanohablantes, bzw. für Leute, die Spanisch sprechen, nichts, was man lernen muss. Das ist eher etwas, was sich automatisch einstellt, wobei man allerdings das gleiche Problem, oder den gleichen Vorteil, je nachdem wie man es betrachtet, auch mit Italienisch haben kann.

Merkwürdigerweise befindet sich das Französische trotz seiner phonetischen Ähnlichkeit, Nasallaute, nicht auf Kollisionskurs. Das ist zumindest die Erfahrung des Autors. Ein solides Portunhol bzw. Portuñol, wenn man es Spanisch schreiben will, kann man in 200 Stunden lernen, wenn man bereits Spanisch bzw. Italienisch kann.

Ganz ohne Portunhol wird es schwierig, weil die Brasilianer, bzw. Portugiesen, Spanisch zwar tatsächlich immer verstehen, aber, wenn sie es nicht gelernt haben, nicht sprechen. Was zurückkommt ist also Portugiesisch und das versteht man leider gar nicht, wenn man sich nicht mit ein paar Grundlagen vertraut gemacht hat.

Von Portunhol zu Portugiesisch ist es allerdings ein weiter Weg. Am Anfang verbraucht das Gehirn praktisch seine ganze Energie damit, zu prüfen, ob der Satz nun tatsächlich Portugiesisch ist oder noch spanische Bestandteile enthält. Die Sprechgeschwindigkeit ist damit stark verlangsamt. Ein hübsches Beispiel für Portunhol ist das hier: Dilma Rousseff falando em "Portunhol". (Dilma Rousseff war zwischen 2011 und 2016 die Präsidentin von Brasilien. )


Das versteht man. Würde sie auf Portugiesisch loslegen, bräuchte man Vorkenntnisse. In der Praxis ist das Problem, dass Sie zwar Portunhol beherrschen, aber Ihr gegenüber, von den unten genannten Regionen abgesehen, meistens nicht.

Portunhol ist eigentlich kein besonderes Phänomen. Besteht eine enge Nähe zwischen der Fremdsprache und der Muttersprache, bzw. einer Fremdsprache und einer anderen bereits bekannten Fremdsprache, kommt es erstmal zu einer Vermischung. Dass es lediglich Portunhol zu dieser Berühmtheit gebracht hat, liegt schlicht daran, dass Spanisch und Portugisiesch auch geographisch eng beieinander liegen und diese zwei Sprachen folglich ständig aufeinandertreffen.

Portunhol hat des weiteren noch eine Bedeutung, weil es im Norden von Uruguay und im Süden von Brasilien weit verbreitet ist, also eine Stabilität hat, die über spontane Vermischungen durch einzelne Sprecher hinausgeht.

Zu portuñol / portunhol gibt es unendlich viele videos im Netz, hier z.B. Reportagem 2 - O uso do Portunhol. Die Frage ist nur, ob es sich dabei lediglich um eine Zwischenstufe handelt beim Erlernen einer Fremdsprache oder tatsächlich um einen Zustand, in dem andauernd verharrt wird. Wäre es lediglich ein Zwischenstadium im Lernprozess, wäre es nichts anderes als die Vermischung von Spanisch und Italienisch, die sich einstellt, wenn Spanier Italienisch bzw. Italiener Spanisch lernen.

Der Autor kann sich schlecht vorstellen, dass es sich bei portunhol um einen stabilen Zustand handelt. Es ist kaum vorstellbar, dass sich ein stabiles Gebilde herauskristallisiert, wenn auf der einen Seite Spanisch die Muttersprache ist und auf der anderen Seite Portugiesisch und bei den zahlreichen Videos ist deutlich zu erkennen, was die Muttersprache ist. Wird in Portunhol kommuniziert, dann verwenden die an der Konversation beteiligten keineswegs einen einheitlichen "Dialekt" als gemeinsame Basis. Der Anteil an Spanisch bzw. Portugiesisch ist bei den an der Konversation Beteiligten jeweils höchst unterschiedlich.

Wenn Kontakte in Grenzgebieten dazu führen, dass sich die Sprecher der jeweils anderen Sprache auf den Gegenüber einstellen und teilweise Vokabular und eventuell auch grammatikalische Strukturen der jeweils anderen Sprache übernehmen, dann ist auch zu vermuten, dass sie die Kommunikation ständig zu verbessern suchen, bis sie eben in der jeweils anderen Sprache kommunizieren. Was dann genau gesprochen wird, hängt dann von der Kompetenz der jeweiligen Sprecher ab. Spricht einer der beiden bereits perfekt die Sprache des anderen, dann wird wohl ausschließlich in dieser Sprache kommuniziert.

Nichtlinguisten bezeichnen portunhol oft als Dialekt. Das dürfte ziemlich falsch sein. Dialekte sind in lautlicher Hinsicht, was das Vokabular angeht und grammatikalisch stabile Strukturen. In Anbetracht der Tatsache, dass sie einem hohen Druck durch die unter anderem über die Massenmedien verbreiteten Standardsprache ausgesetzt sind, kann man sie sogar als ganz überraschend stabil bezeichnen.

Des weiteren könnte man auf die Idee kommen, portunhol als eine Art Kreolensprache zu betrachen, was die Sache allerdings auch nicht treffen würde. Bei Kreolensprache haben wir ein dominante Sprache einer Minderheit, der eine Sprachvielfalt der unterpriviligierten Mehrheit gegenübersteht. Eine Kreolensprache kann Muttersprache sein und sich von der Ausgangssprache ziemlich weit entfernen, wie dieses Video Speak Haitian Creole zeigt. Der Französische Kern ist zwar erkennbar, aber wer nur Französisch kann, wird exakt nichts verstehen. Kreolensprachen sind aber stabile Gebilde und eine Kreolensprache kann auch, wie in Haiti, Landessprache sein. Weiter könnte man an Pidgin Sprachen denken. Hierbei handelt es sich um eine Behelfssprache, die keiner der Beteiligten als Muttersprache hat und sich auch nicht notwendigerweise aus den jeweiligen Muttersprachen abgeleitet ist. Ein Beispiel findet sich hier: TALKING PIDGIN. Da hier aber nicht zwei Muttersprachen aufeinandertreffen, wird höchstens das System weiter ausgebaut, kann aber nicht als Zwischenstufe zur perfekten Beherrschung der einen oder anderen Mutterprache betrachtet werden, denn Pidgin basiert gar nicht auf den jeweiligen Muttersprachen der Gesprächspartner. Pidgin hat eine gewissen Stabilität. Wird es weiter ausgebaut, wird es zu einer Kreolensprache.

Schaut man sich ein paar der Tausende von Videos über portunhol bei youtube an, wird man feststellen, dass portunhol / portuñol eher als mangelnde Sprachkompetenz und weniger als eigenständige Sprache wahrgenommen wird. Möglicherweise hat in bestimmten Gegenden portuñol eine gewisse Stabilität in diesem Fall könnte man von einem Dialekt sprechen. Dies behauptet z.B. Wikipedia: Portuñol riverense.

Die simple Tatsache, dass auf einem Gebiet zwei Sprachen gesprochen werden, führt nicht notwendigerweise zu einem Mix und zwar selbst dann nicht, wenn die zwei Sprachen sehr intensiv aufeinander stoßen, wie z.B. in Katalonien oder Galizien. Eine von vielen Voraussetzung ist, dass die zwei Sprachen nicht gleichzeitig als Muttersprache gelernt werden. In diesem Fall wird nämlich schlicht je nach Situation die eine oder die andere Sprache gewählt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass portunhol / portuñol ein Zwischenstadium ist beim Erwerb der jeweiligen Sprache. Das man nicht von Italiañol spricht, liegt schlicht daran, dass es keine Gebiete gibt, zumindest heute nicht mehr, wo Spanisch und Italienisch aufeinandertreffen.

Weiter stellen Muttersprachler öfter mal fest, dass zwar Portugiesen ohne weiteres auch Spanisch verstehen, also mündlich, der Trick umgekehrt aber weit weniger gut funktioniert, weil Portugiesisch, das europäische Portugiesisch noch mehr als das brasilianisch, etwas Hörer unfreundlich ist.

Allerdings hat der Autor schon festgestellt, dass zumindest gebildete Brasilianer Englisch zur Kommunikation vorziehen, auch wenn ihnen Spanisch angeboten wird. Ganz so einfach wie man gemeinhin glaubt, scheint die Kommunikation auf Spanisch / Portugiesisch doch nicht zu funktionieren.





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