20.3. de von, aus, vor, nach

Es macht zwar objektiv wenig Sinn, über die Grundbedeutung von Präpositionen nachzudenken, aber "intuitiv" sind diese Grundbedeutungen höchst präsent, andernfalls gäbe es im Alltag Probleme. Eine Grundbedeutung der Präposition de / von ist der Abfluss von irgendwas hin zu irgendwas bzw. bezeichnet einen Ursprung / eine Quelle.

Er hat es von seiner Tante erfahren.
Er hat das Geld von ihm bekommen.
Er ist von Geburt an blind.
Von ihm brauchst du keine Antworten erwarten.


Würde diese Bedeutung nicht "intuitiv" erfasst, hätten wir eine weite Bandbreite an Alternativlösungen, die es teilweise sogar gibt.

Die Information stammt aus einer sicheren Quelle.

...von einer sicheren Quelle wäre zwar genau so gut, aber aus unerfindlichen Gründen heißt es ...aus sicherer Quelle.

Ist eine Präposition semantisch stark, wird also in ihrer urspünglichen Bedeutung verwendet, so gibt es auch eine 1 zu 1 Relation. Zu der Präposition gibt es genau eine Präposition in der Fremdsprache. Leider sind die Beziehungen in dieser unserer Welt meist etwas diffus, so dass es keine 1 zu 1 Entsprechung gibt.

Weiter bezeichnet von eine Zugehörigkeit / Besitz, was eigentlich, im Deutschen, erstaunlich ist, denn dafür hat das Deutsche eigentlich den Genitiv. Wird aber der Genitiv, wie umgangssprachlich mehr und mehr üblich, ersetzt, dann passiert das, wie in den meisten Sprachen, mit von.

Das ist das Auto meines Vaters.
Das ist das Auto von meinem Vater.
Das ist die Tür des Hauses.
Das ist die Tür von dem Haus.


Wie man von Ursprung / Quelle zu Zugehörigkeit kommt ist zwar relativ unklar, aber die Verwendung der Präpostion von zur Darstellung einer Zugehörigkeit scheint sehr präsent zu sein, andernfalls würde der Genitiv als Attribut nicht durch die Präposition von ersetzt. Wenn für Quelle und Zugehörigkeit in allen Sprachen dieselbe Präposition benutzt wird, dann ist das nicht willkürlich.

Beim Dativ und Akkusativ scheint im Deutschen keine Präposition zu existieren, die sich derart penetrant in den Vordergrund drängt, weshalb diese beiden Fälle relativ stabil sind.

de + Artikel wird zu da, do, dos, das, siehe 4.2.1. In der Regel steht ein Artikel, wenn auch im Deutschen einer steht und es steht kein Artikel, wenn auch im Deutschen keiner steht.

ohne Artikel
Quando um grupo de turistas visita uma cidade tem ares de quem visita um jardim zoológico.
Wenn eine Gruppe Touristen eine Stadt besucht, könnte man meinen sie besuchen einen Zoo.
mit Artikel
A história do uso de substâncias que melhoram o desempenho físico é mais antiga do que os jogos olímpicos.
Die Geschichte der Substanzen zur Steigerung der körperlichen Fähigkeiten ist älter als die olympischen Spiele.

Bei "einer Gruppe Touristen" steht im Deutschen kein Artikel und im Portugiesischen auch nicht. Bei "historia do uso" steht im Portugiesischen ein Artikel und im Deutschen.


de + Substantiv als Genitivattribut
Quem abre a porta da casa é como quem abre o próprio coração.
Wer die Tür seines Hauses öffnet ähnelt dem, der sein eigenes Herz öffnet.
Você já se perguntou para onde vai o dinheiro dos impostos?
Haben Sie sich schon gefragt, wohin die Steuergelder fließen?


Bei Beschreibung des Materials würde man intuitiv eher auf von tippen. Das Material ist zwar nicht die Quelle, aber ein Tisch der aus Holz ist, stammt irgendwie vom Holz ab. So sehen das zumindest die romanischen Sprachen. Im Deutschen ist aber ein Tisch nicht "vom Holz", sondern "aus Holz". Wo jetzt der Zusammenhang besteht zwischen dem aus von "aus dem Haus gehen" und dem aus von "aus Holz" erschließt sich intuitiv jetzt zwar nicht, aber dieses aus wird auch mit de übersetzt.

de im Sinne von aus
Ela é de Lisboa* Er ist aus Lissabon
Brasilien
Portugal
Rio de Janeiro
Belgien
Ela é do Brasil.*
Ele é de Portugal.*
Ela é do Rio de Janeiro.*
Ele é da Bélgica.*
A mesa é de madeira. Der Tisch ist aus Holz.


* Bei Städtenamen steht in der Regel kein Artikel. Rio de Janeiro ist ein Ausnahme (do = de + o). Bei Ländern steht in der Regel ein Artikel. Portugal ist eine Ausnahme.

Die Grundbedeutung der deutschen Präposition vor bezieht sich auf zeitliche oder räumliche Verhältnisse. (vor neun Uhr, vor der Tür). Aus unerfindlichen Gründen, kann damit aber auch die Ursache beschrieben werden. Man kann vor Schreck in Ohnmacht fallen. Richtig konsequent ist das aber nicht, denn manche Leute verlassen aus Angst überfallen zu werden, das Haus nicht.

Wie dem auch immer sei, die letzten Rätsel der Menschheit werden wir hier nicht lüften, die portugiesische Präposition de wird manchmal auch mit vor übersetzt.

de vor
Meu cachorro morre de medo de fogos de artifício.
Mein Hund kommt fast um vor Angst bei einem Feuerwerk.
Multidões fora do hospital gritaram de dor quando o anúncio foi feito.
Die Menge vor dem Krankenhaus schrie vor Schmerz, als die Nachricht verkündet wurde.
Muitas pessoas tremeram de frio.
Viele Leute zitterten vor Kälte.


Verschiedene Substantive schließen ebenfalls mit de an. Im Deutschen können dann alle möglichen Präpositionen stehen, ohne dass irgendein System erkennbar ist. Auffallend ist, dass die Präposition de oft in völlig unterschiedlichen Kontexten verwendet wird.

Genitivattribut:
O desejo de João Romão de enriquecer determinará todas as suas atitudes ao longo do romance.
Der Wunsch von João Romão reich zu werden, bestimmt seine Haltung im ganzen Roman.
Präpositonalphrase
O desejo de riqueza é devido, na maioria dos casos, à ânsia de segurança.
Der Wunsch nach Reichtum ist in den meisten Fällen dem Bedürfnis nach Sicherheit geschuldet.


Das Deutsche ist hier sogar ausnahmsweise mal konsequent. Bei Ausdrücken wie streben nach, Bedürfnis nach, Sehnsucht nach, sich sehnen nach, etc. haben wir dieselbe Beziehung wie in dem Ausdruck der Wunsch nach. (Verlangt also das Substantiv eine bestimmte Präposition, verlangt das dazugehörige Verb diesselebe Präposition: Sehnsucht nach Romantik <=> sich nach Romantik sehnen.)

Wieso man im Deutschen an einem Mangel an Wasser und nicht an einem Mangel von Wasser leidet muss man so wenig verstehen, wie man verstehen muss, dass manche Leute ein Bedürfnis nach Abenteuer haben. Im Portugiesischen auf jeden Fall gibt es in manchen Gegenden der Welt eine escassez de água und saudade de tanta coisa.

de an
Eu sei de quem é a culpa de tudo isto.
Ich weiß, wer die Schuld an all dem trägt.
A escassez de água é um problema cujos impactos são cada vez mais graves.
Der Mangel an Wasser ist ein Problem, dessen Auswirkungen immer gravierender sind.
Os homens têm inveja de mim.
Die Menschen sind neidisch auf mich.
Tinha saudade de tanta coisa.
Ich hatte Sehnsucht nach so vielen Dingen.


Es gibt eine große Anzahl an adverbialen Bestimmungen mit de für die es im Deutschen ein Adverb gibt. In diesem Fall wird de gar nicht übersetzt.

de ohne Übersetzung
De noite todos os gatos fazem miau*.
Nachts miauen die Katzen.
De repente ficamos sem gasolina.
Plötzlich hatten wir kein Benzin mehr.
De vez em quando eu saio com os amigos.
Manchmal ziehe ich mit Freunden um die Häuser.
E isso os dirigentes não queriam de jeito nenhum.
Das ist es, was die Verantwortlichen auf keinen Fall wollten.


* a noite gibt es auch, das bedeutet aber etwas anderes.

Todos os dias à noite, eu saio de casa. <=> Ich gehe immer aus dem Haus, wenn es schon dunkel ist.

Ist die wesentliche Aussage die, dass ein Vorgang regelmäßig nachts wiederholt wird, dann heißt es a noite. Ist die wesentliche Aussage, dass der Vorgang nachts stattfindet, heißt es de noite. Fehlt der Wiederholungscharakter vollkommen, weil die Handlung nur einmal ausgeführt wurde, heißt es de noite.

Eles chegaram de noite <=> Sie kamen nachts.





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