20. 1 Die Präposition a

Die Präpositon a wird zu à (a + Artikel a => à), ao (a + Artikel o), às (a + Artikel => às) und aos (a + Artikel os) verschmolzen, siehe 4.2.1.

Wird a / as (Artikel) bzw. das Demonstrativpronomen aquele / aquelas etc. und die Präposition a zusammengezogen zu à, bzw. àquele etc., heißt das crase. (Erstaunlich ist, dass das Wort aus dem Griechischen kommt und nicht aus dem Lateinischen. Die Bedeutung ist Fusion.)

20.1.1 a als Markierung des Dativs

Im Deutschen wird sowohl der Dativ wie auch der Akkusativ synthetisch gebildet. Soll heißen, dass die Substantive im Akkusativ bzw. Dativ eine Form haben, die vom Nominativ abweicht bzw. einen anderen Artikel haben.

Nominativ: das Kind / der Apfel
Ich gebe dem Kind den Apfel.


Im Portugiesischen ist der Dativ mit der Präposition a markiert wodurch relativ häufig, das Pronomen a auf den Artikel a trifft.

O pai dá a maçã à filha.
Der Vater gibt den Apfel der Tochter.


Markiert man den Dativ bzw. den Akkusativ nicht, steigt das Gehirn komischerweise aus. "Ich gebe das Kind der Apfel", also ohne jede Markierung, geht es nur im Englischen (I give the kid the apple <=> Ich gebe dem Kind den Apfel), obwohl sich kaum ein Kontext denken läßt, bei dem sich der semantische Gehalt nicht mühelos erschließen lässt.


Skurrilerweise bedarf es keiner Markierung des Dativs bei Eigennamen: "Ich gebe Maria den Apfel" geht. Das geht selbst dann, wenn sich Nominativ und Akkusativ in der Form nicht unterscheiden: "Ich gebe Maria das Gold." Das dürfte schlicht damit zusammenhängen, dass der Dativ meistens ein Lebewesen ist. Es ist eigentlich kein Satz vorstellbar, wo in einem Satz mit direktem und indirekten Objekt das Lebewesen das Akkusativobjekt ist. Noch unwahrscheinlicher, quasi ausgeschlossen ist das, wenn das Dativobjekt ein Eigenname ist. Von daher kann eine Markierung entfallen.

In diesem Fall kann man sogar die Reihenfolge vertauschen:"Ich gebe das Gold Maria." Sprachdidaktisch ist das ein Problem. Wer mit Deutsch als Fremdsprache konfrontiert ist, sieht manchmal gar nicht so richtig ein, warum man überhaupt deklinieren muss. Man kann dann, also wenn man in die Lage kommt, das erklären zu müssen, den Versuch starten, einen Satz in der jeweiligen Muttersprache zu konstruieren, bei dem nicht markiert wird. Die meisten Leute sehen dann ein, dass man irgendwie markieren muss, und dass in der jeweiligen Muttersprache in der Regel auch markiert wird. Über eine Präposition, ein Suffix oder ein Präfix.

Das klärt zwar immer noch nicht, warum man das überhaupt muss, aber immerhin ist dann klar, dass man es muss. Theoretisch lässt sich jede Kombination aus Präposition + Substantiv synthetisch bilden. Das Lateinische z.b. kennt sehr viel mehr Fälle. Hat ein Satz viele Objekte, würde ein Satz tatsächlich unverständlich, würde man nicht deklinieren. Aus den historisch vermutlich sehr vielen Fällen sind nur noch vier übrig geblieben, Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Damit ist die Komplexität so reduziert, dass man im Grunde auch ohne Deklination auskommen würde. Die romanischen Sprachen waren da konsequenter. Sie haben die synthetische Bildung der Fälle abgeschafft. (Mit Ausnahme der Pronomen, wo nach wie vor in den meisten Sprachen Fälle vorhanden sind. Theoretisch könnte man es aber auch da abschaffen. "Ich zu er gebe es" ist genauso hübsch wie "Ich gebe es ihm". )

Es ist zwar etwas unklar, warum man überhaupt markieren muss, aber wahrscheinlich markieren alle Sprachen irgendwie. Markieren kann man auf verschiedene Art und Weisen.

1) Man markiert gar nicht. Das macht das Englische.
I give the boy the apple. (Aber: I give the apple to the boy.)
2) Der Dativ und / oder der Akkusativ hat eine vom Nominativ verschiedene Form bzw. einen abweichenden Artikel
Ich gebe dem Jungen den Apfel.
3) Der Dativ und / oder der Akkusativ hat ein Suffix bzw. ein Präfix. Im Persischen ist der Akkusativ durch das Suffix ra markiert, der Dativ durch die Präposition be.
من سیب را به این پسر میدهم. Man sib ra be in pesar midaham.
4) Der Dativ und / oder der Akkusativ sind durch eine Präposition markiert. In den romanischen Sprachen ist der Dativ über eine Präposition markiert, der Akkusativ nicht.
Doy el libro al niño. (Spanisch)
5) Der Dativ und / oder der Akkusativ sind durch die Satzstellung markiert. In diesem Fall ändert sich der Sinn, wenn man die Position ändert.
Thomas schaut Maria an. <=> Maria schaut Thomas an.
6) Theoretisch denkbar, aber hierzu kennt der Autor kein Beispiel, ist, dass die Markierung allein durch die Betonung erfolgt.


1) geht von einer Grundstellung aus und erst wenn diese geändert wird, muss der Dativ über eine Präposition markiert werden.

2) ist das, was den meisten in der westlichen Hemisphäre komisch vorkommt und womit sie sich schwer tun. Das liegt aber schlicht daran, dass Deutsch die einzige Sprache ist, mit der Franzosen, Spanier, Engländer etc. konfrontiert sind und sie folglich davon ausgehen, dass Deutsch völlig anders funktioniert, als andere Sprachen. Die Wahrheit ist, dass in der östlichen Hemisphäre fast alle Sprachen so funktionieren und Deutsch ein typischer und im übrigen auch harmloser, im Vergleich zu Polnisch, Russisch, Finnisch etc., Vertreter dieser Gruppe ist. Die Ansicht, dass Deutsch eine schwere Sprache sei, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass die einzige Sprache dieses Typs, mit der die westliche Welt in Kontakt kommt, Deutsch ist.

Zu 3), Markierung durch ein Suffix, kennt der Autor nur ein Beispiel, das Persische eben, aber vermutlich gibt es einige Sprachen, die so markieren. (Quetschua, die Sprache der Urbolivianer, also der Leute die in Bolivien gewohnt haben, bevor die Spanier kamen, gehört auch zu dieser Gruppe.)

4) Haben wir in allen romanischen Sprachen und im Englischen, wenn der Dativ auf den Akkusativ folgt.

Ob es zu 5) ein Beispiel gibt, weiß der Autor nicht. Das müsste eine Sprache sein, bei der Akkusativ und Dativ einen festen Platz haben, der nicht verändert werden kann, ohne dass der Satz agrammatikalisch wird.

Zu 6) kennt der Autor auch kein Beispiel, denkbar ist,dass einige asiatische Sprachen so funktionieren. (Wenn zahlreiche Bedeutungnuancen durch die Betonung ausgedrückt werden, wie im Chinesischen, dann bittet sich das an, findet zumindest der Autor.)

Im Portugiesischen ist der Akkusativ nie markiert. Einen persönlichen Akkusativ wie im Spanischen, der mit der Präposition a markiert wird und folglich formal nicht vom Dativ zu unterscheiden ist, gibt es im Portugiesischen nicht. (Außer bei quem.) Ist der Dativ ein Personalpronomen, werden die unbetonten Personalpronomen verwendet. Näheres zu unbetonten Personalpronomen siehe 6.1.1 die unbetonten Personalpronomen.

Ein Dativ kann uns in zwei unterschiedlichen Formen begegnen. Manche Verben verlangen, bzw. erlauben, sowohl ein Akkusativobjekt wie auch ein Dativobjekt.

Akkusativ / Dativ oder nur Akkusativ
1) beide notwendig: Ich schenke ihm ein Buch.
2) beide notwendig: Ich sage es ihm.
3) nur Akkusativ notwendig: Ich verkaufe es ihm.


nur Akkusativ möglich
Ich sehe den Vogel.
Wir essen die Äpfel.


1) "Ich schenke ihm" ergibt sowenig einen sinnvollen Satz wie "Ich schenke es".
2) "Ich sage es" ist so wenig sinnvoll wie "Ich sage ihm". (Höchsten in Sätzen, wo betont wird: Du sagst das, sonst niemand!)
Bei 3) allerdings kann man den Dativ weglassen. "Ich verkaufe es" geht.

Manche (wenige) Verben verlangen nur ein Dativobjekt. (Meistens verlangen Verben zumindest ein Akkusativobjekt.)

Nur ein Dativobjekt
Wir müssen unseren Idealen folgen.
Wir folgen seinen Anweisungen.


Meistens verlangen die Verben, die im Portugiesischen ein Akkusativobjekt verlangen, auch im Deutschen ein Akkusativobjekt.

Akkusativobjekt im Portugiesischen und Deutschen
comer algo
Mariana comeu o bolo.
Mariana aß den Kuchen.
encontrar alguém
Mas não foi aí que a encontraram.
Sie haben sie nicht da gefunden.
demitir alguém
Demitiu dois empregados por uso indevido do e-mail da companhia.
Er kündigte zwei Angestellten wegen unerlaubter Nutzung der Firmen email.
auxiliar alguém
O aluno tem diversos recursos que o auxiliam em seus estudos.
Der Schüler hat verschiedene Hilfsmittel, die ihn beim Lernen unterstützen.
responder a algo / alguém
O aluno respondeu à pergunta da professora.
Der Schüler beantwortete die Frage der Lehrerin.
felicitar alguém
Gostaria de me juntar àqueles que já felicitaram o nosso colega.
Ich möchte mich jenen anschließen, die unserem Kollegen gratulierten.


Und die Verben, die im Portugiesischen den Dativ verlangen, tun dies in der Regel auch im Deutschen.

Dativobjekt im Portugiesischen und Deutschen
Eu disse a ela que eu era fluente em Espanhol.
Ich sagte ihr, dass ich fließend Spanisch spreche.
obedecer a alguém
Devemos obedecer aos nossos princípios e ideais.
Wir müssen unseren Prinzipien und Idealen folgen.


Wobei es Ausnahmen geben kann. Es kann sein, dass im Portugiesischen der Akkusativ, im Deutschen der Dativ verlangt wird und umgekehrt.

Im Portugiesischen Akkusativ, im Deutschen Dativ.
Os países ricos devem ajudar os países pobres.
Die reichen Länder sollen den armen Ländern helfen.


Es kann aber auch sein, dass im Portugiesischen das Verb einen Dativ verlangt, im Deutschen aber einen Akkusativ.

Im Portugiesischen Dativ, im Deutschen Akkusativ
esperar a alguém
Miriam esperava a irmã.
Miriam erwartete ihre Schwester.
Ele mentiu a dois empresários.
Sie belog zwei Unternehmer.
informar a alguém
Queridos alunos, informo-lhes que a prova será difícil.
Liebe Schüler, ich informiere euch, dass die Prüfung schwierig sein wird.
solicitar algo a alguém
Solicitei-lhe que me desse algumas informações.
Ich bat ihn, mir einige Informationen zu geben.

Anmerkung: Es ist nicht wie im Spanischen. Wenn wir im Spanischen "ayudar a alguien a hacer algo", wir helfen ihm, etwas zu tun, im Wörterbuch finden dann heißt das nicht, dass ayudar den Dativ verlangt, denn der Akkusativ ist im Spanischen, wenn es sich um eine Person handelt, mit der Präposition a markiert. Im Spanischen muss man sich also tatsächlich zu den kritischen Sätzen einen Satz mit Pronomen merken, um zu wissen ob das Verb den Dativ oder Akkusativ verlangt. Im Portugiesischen ist das nicht so. Das Portugiesische hat keinen persönlichen Akkusativ. Im Wörterbuch steht ajudar alguém, jemandem helfen. Wir wissen also, dass ajurdar (helfen), im Gegensatz zum Deutschen den Akkusativ verlangt.




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